Mittwoch, 5. Juni 2013

Grand Canyon!

Der Grand Canyon ist eine 450 km lange, 6 bis 30 km breite und bis zu 1800 Meter tiefe Schlucht, die vor ein paar Millionen Jahren vom Colorado- Fluss in das Colorado-Plateau gegraben wurde, welches auf etwa 2100 Meter über denn Meeresspiegel liegt. Er gilt als eines der Weltwunder der Natur.

Angekommen sind wir am Sonntag Abend im Grand Canyon Village, einem weitläufigen Dorf, welches direkt am südlichen Rand des Grand Canyon liegt. Unser gemütliches Zimmer (ohne Fernseher!) lag vom Rand der Schlucht etwa 15 Meter Luftlinie entfernt. Im Visitor Center erkundigten wir uns noch schnell nach einem geeigneten Wanderweg für unseren zweinächtigen Aufenthalt und holten uns ein paar weitere Informationen ein. Der freundliche Ranger legte uns einen Weg nahe, der relativ wenig bewandert, allerdings auch mit sehr wenig Schatten ausgestattet ist. Die Hitze ist in der Tat das große Problem bei Wanderungen in den Canyon. Oben am Rand hat es aktuell maximale Temperaturen von etwa 30°. Je tiefer man kommt, desto heißer wird es (bis über 40°) was u.a. an dem dunkleren Gestein in tieferen Lagen liegt. Zudem ist ungewohnt, das man bei einer Wanderung zuerst bergab und danach bergauf geht. Zusätzlich ist es morgens kühl und schattig, (nach)mittags richtig heiß. D.h. es kommt tatsächlich erst dass Vergnügen, dann die Arbeit. Der Ranger sagte wörtlich: “I really think the Grand Canyon was designed to kill people." ("Ich glaube wirklich, dass der Grand Canyon dazu entworfen wurde, Leute zu töten.“) Er klang dabei aber in der Tat weniger wie ein überzeugter Kreationist, als vielmehr wie ein Kerl, der ein bisschen Spaß machen und die Leute warnen will. Der uns anempfohlene Weg, der insgesamt 4-6 Stunden dauern und 600 Meter tief hinab (und wieder hinauf!) gehen sollte, war dann auch ein mit “sehr schwierig“ gekennzeichneter. Wir hatten dem Ranger erzählt, was wir in den letzten Jahren für Wanderungen gemacht hatten, außerdem waren wir gut ausgerüstet, so dass wir zwar wegen des ungewohnten Verlaufs der Wanderung wein wenig aufgeregt, aber dennoch guter Dinge waren, dass alles gut klappen sollte.

Um möglichst wenig in der Mittagshitze laufen zu müssen, sind wir dann am Montag um 5 Uhr aufgestanden und um 6 Uhr mit dem Hiker-Express-Shuttle-Bus zum Startpunkt des Wanderwegs gefahren. Um 06:30 Uhr haben wir dann bei kühlen Temperaturen um 10° mit den Abstieg begonnen. Der Ausblick war traumhaft, der erste Teil des Weges war wie erwartet eher ein Spaziergang, zumal er anfangs im Schatten verlief. Als wir dann um etwa 07:30 Uhr in die Sonne kamen und es schlagartig wärmer wurde, konnten wir etwa erahnen, was wir beim Aufstieg zu erwarten hätten. Um 08:30 hatten wir dann unseren Umkehrpunkt erreicht, an dem wir im Schatten eines niedrigen Busches Rast machten. Der Aufstieg sollte unseren Informationen nach etwa doppelt so lang dauern wie der Abstieg, so dass wir mit den erwarteten 6 Stunden hinkommen sollten.
So schritten wir dann los, und etwa nach den ersten 100 Höhenmetern merkten wir schon, dass in der Tat nicht die zu überwindende Höhe, sondern die schattenlose Hitze das Problem ist. Die Sonne brennt auch um 9 Uhr schon stark, 30° werden schnell erreicht. Jedes kleinste Stückchen Schatten wird zur sehr willkommenen Möglichkeit zur Rast, jedes Fläschchen Wasser trägt man gern mit sich. Ohne Kopfbedeckung geht gar nichts. Wir kamen trotz allem gut voran. Es war anstrengend, aber nicht viel anstrengender als erwartet. Wir hatten ausreichend Wasser, machten genug Pausen und erreichten das Plateau schließlich um 11:15 Uhr. Wir hatten bergauf also nicht viel länger gebraucht als bergab und insgesamt nur 4 Stunden und 45 Minuten. Alles also halb so wild. Ich würde allerdings keine weitere Strecke laufen wollen, erst recht nicht (nach)mittags. Auch nicht, wenn ich noch unfitter wäre, als ich jetzt schon bin. :-)
Nicht zuletzt wegen der tollen Aussicht hatte sich die Wanderung gelohnt. Sie is auf jeden Fall empfehlenswert, man sollte sich allerdings darauf vorbereiten, v.a. was Kleidung und Proviant betrifft. Wir hatten morgens auch zwei Amerikaner getroffen, die innerhalb eines Tages hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf laufen wollten. Sie waren allerdings auch aus der Gegend, an die Hitze gewöhnt und einer von beiden hatte das auch schon mal gemacht. Naja. Nix für uns. Den Rest des Tages haben wir uns dann ausgeruht, und uns abends den Sonnenuntergang angeschaut.

Am Dienstag sind wir dann auch wieder recht früh aufgestanden, um uns Richtung Sequoia-Nationalpark aufzumachen, wobei wir ob der Distanz von etwa 1000 km einen Zwischenstop im “schönen“ Barstow machen wollten. Dort liegen wir gerade im Hotelzimmer rum. :-)

Liebe Grüße,
Marian & Katha

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen