Die Innenstadt unterscheidet sich allerdings nicht sehr von der New Yorks. Die Unterschiede liegen darin, dass es in San Francisco ein wenig sauberer ist, die Wolkenkratzer ein bisschen niedriger und die Menschen ein wenig weniger hektisch sind. Und es gibt steile Straßen. So richtig. Die Halbinsel ist und war bei Besiedelung sehr hügelig, dennoch nahmen die Stadtplaner keine Rücksicht, sondern legten einfach das bekannte quadratische Muster über das Land und legten dann entsprechend Straßen an. Zu Fuß recht anstrengend, bei Eis und Schnee käme man hier wohl nur mit Kettenfahrzeugen vorwärts. So genau weiß man das aber nicht, denn in San Francisco gibt es keinen Frost, auch im tiefsten Winter nicht. Außerdem regnet es im Sommer nie. Die Temperaturen erreichen aber auch im Hochsommer maximal nur 23-24 °C. Dieses milde Klima kann also vielleicht mir dem der Kanaren verglichen werden.
Wir kamen also am Montag Abend wieder in der Zivilisation an und sind in dem für eine Nacht kurzfristig gebuchten Hotel eingecheckt. Wir haben uns erstmal ausgeruht und uns per Reiseführer und Internet ein bisschen genauer über die Stadt informiert. Zum Abendessen waren wir dann im englisch-irischen Restaurant-Pub, das so halb zum Hotel gehörte. In Erinnerung bleibt vor allem die weltklasse englische Zwiebelsuppe zur Vorspeise. :-)
Am nächsten Morgen sind wir schon wieder aus dem Hotel abgereist, sind in unserem “richtigen“ Hotel am zentral gelegenen Union Square eingecheckt und haben anschließend unser Auto abgegeben. San Francisco ist eine der wenigen Städte der USA, in der man sich nicht per Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegt. Es gibt Bus, U-Bahn, Straßenbahn und natürlich auch das berühmte Cable Car, welches allerdings nur drei Recht kurze Linien hat, von denen eine direkt am unserem Hotel vorbei führte.
Um uns einen optischen Überblick über die Stadt zu verschaffen haben wir zwei verschieden Touren einer Stadtrundfahrt gemacht, welche uns zuerst an die Piers des alten Hafens brachten, der heute ein touristisches Zentrum darstellt. Dort befinden sich Möglichkeiten zum Shoppen und Essen gehen, Museen, Straßenkünstler etc. und auch die Anlegestellen für die Fähren, die beispielsweise zur berühmten Gefängnisinsel Alcatraz schippern.
Die zweite Fahrt führte uns über die weltbekannte Golden Gate Bridge auf die wenig besiedelte gegenüberliegende Halbinsel bis zum kleinen Örtchen Sausalito, welches mit italienisch-mediterranen Flair aufwarten kann. Sonne, Hügelchen und Meer. Ein bisschen kam man sich vor wie an der Riviera. Und das, wohl gemerkt, quasi direkt neben San Francisco.
Anschließend haben wir uns noch ein bisschen im ”Hafen“ herumgetrieben und entdecken dort ein interessantes kostenfreies Museum. Sein Geld verdiente es dadurch, dass man an jeden der dort ausgestelltem, teilweise mehrere Dutzend Jahre alten Spielautomaten, tatsächlich benutzen kann, wenn man ausreichend Viertel-Dollar Münzen bei sich hat. Es gab dort wirklich interessante, alte, mechanische Automaten, die z.b. Puppenspiele aufführten, Baseball- und Fußball-Spiele oder an denen man seine Körperkraft testen konnte. Ich hätte da noch mehr Zeit verbringen können. :-)
Anschließend waren wir im Aquarium of the Bay, in dem man sich allerlei Fischgetier anschauen konnte. Alles nichts besonders, bis auf einen tatsächlichen “Streichelzoo“: in einem kleinen Becken schwammen ein kleiner Hai und ein paar Rochen, die sich tatsächlich bereitwillig betatschen ließen. Lustig und interessant.
Den Mittwoch starteten wir mit der dritten Tour der Stadtrundfahrt, welche uns in dem westlichen Teil der Stadt führte, der bei dem verheerenden Erdbeben 1906 nicht zerstört wurde. Wie mir zuvor nicht bekannt war, wurde der restliche Teil der Stadt nicht durch das Beben selbst zerstört, sondern durch die auftretenden Feuer, welche wegen der nicht mehr funktionierenden Wasserversorgung nicht gelöscht wurden konnten. Im Westen gab es weniger Feuer, zudem war das Gebiet weniger dicht besiedelt, so dass sich diese nicht gut ausbreiten konnten. Um die westlichen Gebiete vollständig zu retten, griff das Militär zudem zu einer drastischen Maßnahme. Entlang einer der von Norden nach Süden verlaufenden Straße wurden kurzerhand alle noch stehen Gebäude gesprengt, so dass eine breit Schneise entstand, die vor den Feuern aus dem Osten schützte. Das schmucke Resultat ist, das dort noch sehr viele, in viktorianischem Stil erbaute, kleine Häusschen stehen, die wirklich nett anzusehen sind. Ab einer Million Dollar ist man hier dabei. Pro Stockwerk, versteht sich.
Wir kamen auch durch das bekannte Hippie-Viertel Haight-Ashbury, in dem sich allerlei bunte und seltsame Geschäfte und Menschen tummeln. Westlich davon liegt der Golden Gate Park, der sozusagen der Central Park von San Francisco ist. Dessen Einwohner scheien sehr stolz auf den Park zu sein, er sei viel schöner, ein Stück größer und überhaupt. Bemerkenswert ist in der Tat, dass et auf Grund und Boden liegt, der als absolut unfruchtbar galt. Als der Park in den 1930er Jahren erschaffen werden sollte, wurden zahlreiche Experten, u.a. der Erbauer des New Yorker Central Parks zurate gezogen, welche allesamt bestätigten, das auf diesem Stück Land niemals nicht irgend etwas wachsen würde. Schließlich wurde noch ein schottischer Landschaftsgärtner gefragt, der sagte etwas wie: geht nicht gibt's nicht. Er brauche nur genug Kuh- und Pferdescheiße, dann sollte ihm das gelingen. Diese, den zuvor befragten Herren offenbar unbekannte, wertvollen Ressource, war in der Tat in Massen vorhanden, so dass der Schotte im Laufe mehrerer Jahrzehnte tatsächlich einen wunderschönen Park erschaffen konnte.
In diesem Park befindet sich auch ein Museum der Academy of Science, der Akademie der (Natur)wissenschaften also, welchem wir später am Nachmittag, als wir den Westen selbst erkundeten, einem Besuch abstatteten. Herausragend dort ist das Planetarium, in dem man letztlich Filmen sehen kann, die aufgrund der riesigen, kugelförmigen Leinwand schräg über den Zuschauern, bei entsprechenden Bildern besonders imposant erscheinen. Herkömmliche 3D-Kinos werden hier um Längen geschlagen. Wir sahen einen Film über die Erde, nahe Planeten, andere Sonnensysteme und Galaxien, welche unter dem Gesichtspunkt betrachtet wurden, inwiefern Leben (so wie wir es kennen) dort möglich wäre. Gelernt haben wir zwar nicht viel neues, qualitativ war dass jedoch top. Gleiches galt auch für den zweiten Film, welcher Erdbeben, und vor allem deren geologische Ursachen zum Thema hatte. Insgesamt ein Besuch, der in jedem Falle weiter zu empfehlen ist.
An unserem letzten Urlaubstag, dem Donnerstag also, stand der Besuch von Alcatraz auf dem Programm. Das Gefängnis, auf der “The Rock" ("Der Fels“) genannten, auf der in der Bucht von San Francisco liegenden Insel, galt während seines Bestehens zwischen den 30er und 60er Jahren als sicherstes Gefängnis, in dem z.b. auch Al Capone eine Haftstrafe verbüßte. Wir erfuhren während unseres Besuchs dort auch, dass die Insel nach der Schließung des Gefängnisses von amerikanischen Ureinwohnern besetzt wurde. Die Besetzung durch die Indianer dauerte zwar nur wenige Wochen, dennoch führte die entstehende öffentliche Diskussion dazu, dass sich die Lebensbedingungen der Indianer verbesserten, z.b. indem ihnen zuvor genommenes Land wiedergegeben wurde.
Beeindruckend auf Alcatraz ist allerdings die auf Reiseportalen im Internet zurecht gelobte Audio-Führung im Zellentrakt. Es gelingt den Erzählern sehr gut, die Stimmung der dortigen Haft darzuszellen. Auch besondere Ereignisse werden lebhaft dargestellt: ein möglicherweise gelungener Fluchtversuch, dessen drei Häftlinge immer noch als flüchtig gelten, nie gefunden wurden und wahrscheinlich ertrunken sind. Auch gab es einen gescheiterten Fluchtversuch, der als die “Schlacht von Alcatraz“ bekannt wurde, bei dem sich eine Gruppe von Häftlingen Zugang zu Waffen verschaffte, der aber letztlich mit dem Tod dieser Männer und einiger Wärter endete.
Nach diesem etwas beklemmenden Erlebnis schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt und ließen den Urlaub im Restaurant eines Pizzabäcker-Weltmeisters ausklingen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass San Francisco eine wirklich schöne Stadt ist, in die wir auch irgendwann mal wieder zurück kommen würden.
Dies gilt für die meisten Orte hier im Westen, die wir besucht haben, übrigens nicht. Sie waren toll, interessant und haben Spaß gemacht. Aber irgendwie hat man nach ein paar Tagen dort auch alles gesehen. Wer noch nicht im Westen der USA war, dem sei ein Besuch aber in jedem Fall empfohlen. Das tolle Wetter, unterschiedliche Landschaften und Leute machen einem Besuch in jedem Fall zu einem tollen Urlaub. :-)
Jetzt sitzen wir gerade im Flugzeug irgendwo über Kanada und haben noch etwa sieben Stunden Flugzeit vor uns. Dann hat uns Deutschland wieder. :-)
Liebe Grüße,
Marian & Katha
P.S.: Wir haben schon ein paar Portionen Sommer an die Heimat abgeschickt. Ist schon was angekommen?
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